Eine Initiative der deutschen Schweinehalter
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12.06.2014 rss_feed

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung – von Äpfeln und Birnen

Setzen die deutschen Landwirte wirklich viel mehr Antibiotika in der Tierhaltung im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen ein? Dieser Eindruck wird zuweilen erweckt, wie beispielsweise in der vergangenen Woche in der Fernsehsendung ZDF Zoom mit dem Thema Gefahr aus dem Stall – Tödliche Keime machtlose Politik? geschehen.

Größte Hausaufgaben liegen in der Humanmedizin

Die Polemik um die Verbindung zwischen MRSA-Keimen im Stall und jährlich 15.000 MRSA-Toten in Deutschland ist im vergangenen Bild der Woche Landwirtschaftsminister Meyer droht mit Stallschließungen – Siegt die Ideologie? bereits aufgearbeitet worden. Die 15.000 MRSA-Toten sind fast ausschließlich auf Keime aus dem Humanbereich zurückzuführen. Ohne das Thema MRSA-Keime auf die leichte Schulter nehmen zu wollen, ist klar: die mit Abstand größten Hausaufgaben hat hier die Humanmedizin!

Sind die Dänen besser?

In der Sendung heißt es weiter:  Eigentlich ist der hohe Einsatz von Antibiotika gar nicht nötig, denn es gibt Alternativen. Andere Länder wie Dänemark, einer der größten Fleischexporteure der EU, machen vor, wie man den Antibiotika-Einsatz reduzieren kann – ohne Bauern oder Tierärzte in die Pleite zu treiben.

Dabei werden nach Ansicht der ISN hier schon wieder Äpfel mit Birnen verglichen, weil allein auf die Antibiotikamengen geschaut wird. Dass es unterschiedliche Wirkstoffe und unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen gibt und Mengen allein daher nicht vergleichbar sind, wird ignoriert. Davon abgesehen werden in Deutschland weit mehr Schweine als in Dänemark gehalten, insofern ist es auch von der Seite klar, dass die Tonnagen in Deutschland höher sind. Was festzuhalten ist: Die Dänen scheinen genau diesen Vergleich von Äpfeln und Birnen geschickt und schamlos – auch im Fleischgeschäft – zu nutzen.

Der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben

Wer Vergleiche zwischen Ländern anstellt, der muss genau hinschauen, was passiert. Die verschiedenen Wirkstoffe und Wirkstoffkonzentrationen wurden schon genannt. Wenn wir über einen scheinbar geringeren Antibiotikaverbrauch in Dänemark reden, dann bitteschön auch über den Einsatz von Schwermetallen in der Fütterung, wie Zinkoxid – gern eingesetzt, um zum Beispiel Durchfall in der Ferkelaufzucht zu behandeln und so möglicherweise auf Antibiotika verzichten zu können.

In Dänemark ist der therapeutische Einsatz von Zinkoxid erlaubt – in Deutschland nicht! Beispielsweise ist in Dänemark Zinkoxid im Ferkelfutter bis 14 Tage nach dem Absetzen bis zu einer Konzentration von 2000 mg/kg Futter zugelassen – in Deutschland nur bis 250 mg / kg. Und die Zink-Lösung wird in Dänemark scheinbar dankbar ausgeschöpft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) will sogar eine weitere Senkung der Höchstgehalte. Denn hohe Mengen an Zinkoxid im Futter führen zu einer Anreicherung in den Böden und damit zu deren Belastung. Im Übrigen bringen Wissenschaftler den Einsatz hoher Mengen an Zinkoxid in der Ferkelfütterung mit der Förderung multiresistenter Colibakterien in Verbindung. Das kann nicht die Lösung zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes sein - hier wird also der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Wir brauchen saubere Daten!

Das Wirksamste, was zum einen zur Versachlichung der Diskussion aber auch zu einer erfolgreichen Minimierung des Antibiotikaeinsatzes beiträgt, sind verlässliche Daten. Genau deshalb hat sich die Wirtschaft – weit vor dem Gesetzgeber – auf den Weg gemacht, den Antibiotikaeinsatz u.a. in der Schweinehaltung mit Hilfe der QS-Antibiotikadatenbank zu erfassen um nur eine Aktivität zu nennen.

Die ausreichende Behandlung kranker Tiere ist praktizierter Tierschutz und unerlässlich – es geht vielmehr darum, den Einsatz auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Dänen und Niederländer haben ohne Frage viel getan, um den Antibiotikaverbrauch zu senken. Und es geht weiter, denn die Dänen haben gerade einen 5-Punkte-Plan zur Antibiotikareduzierung vorgelegt.

Die deutschen Bauern und Tierärzte brauchen sich jedoch mit Ihren Anstrengungen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung nicht hinter den Nachbarn zu verstecken.