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03.06.2013 rss_feed

Fleischpreise runter: Die Bauern sind wieder die Opfer

In der vergangenen Woche haben die Discounter Aldi-Nord, Aldi-Süd und Norma angekündigt, die Fleischpreise dauerhaft zu senken. Damit wird die aktuell schon sehr schlechte wirtschaftliche Situation der deutschen Fleischerzeuger weiter verschärft.

Ideologie zu Lasten der Bauern

Dass die Fleischpreise steigen müssen und nicht fallen dürfen, darin sind sich Landwirte und Agrarverbände einig – auch solche Verbände, die sich sonst nicht unbedingt durch besondere Marktkenntnis hervortun. Sogar Greenpeace stimmt in das Konzert ein. Die Ziel ist aber ein völlig anderes: Greenpeace schlägt vor, das Fleisch direkt durch Steuern (z.B. die Mehrwertsteuer) oder durch Steigerung der Produktionskosten (z.B. eine Güllesteuer)  zu verteuern. Die Umweltorganisation will damit erreichen, dass der Fleischverbrauch reduziert wird. 

Richtig ist: Steigt der Fleischpreis, geht der Verbrauch zurück – das zeigt ein Rückblick in die nahe Vergangenheit. Wenn dann aber der höhere Fleischpreis nicht einmal den Bauern zu Gute kommt, dann macht man diese zugunsten der Ideologie zu Bauernopfern. Das Höfesterben wird dadurch stark vorangetrieben. Das kann nur verhindert werden, wenn der höhere Fleischpreis zur Abdeckung der höheren Kosten auch beim Erzeuger ankommt, so die Forderung der ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands.

Selbstversorgung runter = Fleischpreise hoch?

Auch die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) macht es sich zu einfach. Sie sieht insbesondere im hohen Selbstversorgungsgrad bei Fleisch die Hauptursache für die Misere. Glaubt man dort wirklich, dass ein absichtlicher Produktionsverzicht und ein damit verbundener geringerer Selbstversorgungsgrad das Problem löst? Wäre der deutsche Fleischmarkt gegenüber anderen Ländern abgeschottet, würde das vielleicht funktionieren. Zu bedenken ist dabei aber auch: Selbst wenn der Selbstversorgungsgrad deutlich unter 100 % liegen würde, wäre der Export  von Fleischerzeugnissen aus Deutschland in nicht unerheblichen Anteilen notwendig. Nur so kann fast der gesamte Schlachtkörper verwertet werden. Denn Körperteile, die man hierzulande verschmäht, gelten anderorts als Delikatesse. Nach Ansicht der ISN ist die zusätzliche Wertschöpfung am Schlachtkörper zu begrüßen und nicht zuletzt auch die damit einhergehende Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Eine einseitige Einschränkung der Fleischerzeugung in Deutschland würde nur die Erzeugungskosten hierzulande erhöhen. Andere Länder wären im globalen Markt schnell zur Stelle. Im Klartext: Deutschland würde durch den Produktionsverzicht lediglich Marktanteile verlieren und die Bauern hätten nichts gewonnen. Das Problem eines möglichen Überangebots wird also nur verlagert. Mehr noch, den Tieren wird ein Bärendienst erwiesen, denn die Tierhaltungsstandards in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit.


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