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09.10.2026rss_feed

Discounter senken Wurstpreise – Schweinehalter zahlen die Zeche

Header Rabattschlacht Discounter

Aldi und Lidl drücken erneut die Preise für zahlreiche Wurst-, Schinken- und Fleischprodukte. Während die Schweinehalter aktuell tief in der Krise stecken und Woche für Woche riesige Verluste verkraften müssen, verschärfen die dauerhaften Rabattaktionen den Preisdruck zusätzlich. Die ISN kritisiert die widersprüchliche Preispolitik der Discounter.

 

Nachdem Aldi zuletzt bereits die Preise für rund 20 Rind- und Schweinefleischprodukte gesenkt hatte, folgen nun mehr als 20 Wurst-, Schinken- und Würstchenartikel. Einem Bericht der Lebensmittel Zeitung zufolge wurde Hackfleisch dabei teilweise um mehr als 9 Prozent günstiger. Auch Lidl kündigt deutschlandweit Preisreduzierungen von bis zu 13 Prozent an. Nutzer der Lidl-Plus-App erhalten bei ausgewählten Artikeln zusätzlich 10 Prozent Rabatt, berichtet die LZ.

 

Nachhaltigkeit predigen, Preisdruck verschärfen?

Besonders widersprüchlich ist: In der kommenden Woche lädt Lidl zur Veranstaltung Lidl im Dialog unter dem Titel The Power of Nudging – Nachhaltige Ernährung als Standard ein. Dort soll diskutiert werden, wie Verbraucher durch gezielte Impulse zu nachhaltigeren Kaufentscheidungen bewegt werden können. Lidl will das Verbraucherverhalten nachhaltig verändern, trifft aber mit seiner aktuellen Preispolitik vor allem die landwirtschaftlichen Erzeuger.

 

Aktionen ja, Preiskampf nein!

Aktionen sind wichtig, um den Absatz anzukurbeln, aber Dauerpreissenkungen und Verramschen verschärfen die aktuelle ruinöse Phase noch zusätzlich, betont ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Den Betrieben gehe das Geld aus, die Preissenkungen würden bis auf die Erzeugerebene durchtreten. Mit solchen Rabattschlachten muss Schluss sein. Sie schaden landwirtschaftlichen Betrieben nachhaltig und verschärfen die negative Kettenreaktion in einer Branche, der ohnehin das Wasser bis zum Hals steht. Preisdrückerei treffe am Ende immer das schwächste Glied der Kette – und das seien die Schweinehalter.

 

Es geht um die Existenz der Schweinehalter

Während Handel und Lebensmitteleinzelhandel mit Rabattaktionen um Kunden werben, kämpften viele schweinehaltende Betriebe derzeit ums wirtschaftliche Überleben. Die Lage am Schweinemarkt ist prekär. Wir erleben nicht nur eine vorübergehende Preisschwäche, sondern eine ernsthafte Belastungsprobe für viele Betriebe, erklärt Staack. Der Markt sei reichlich durch Überangebote aus anderen EU-Staaten versorgt, die Schweinepreise befänden sich auf einem ruinös niedrigen Niveau und viele Betriebe schrieben tiefrote Zahlen. Den Erzeugern fehlten aktuell rund 55 Euro Erlös je Schwein. Die Verluste summierten sich Woche für Woche auf weit zweistellige Millionenbeträge. Vor diesem Hintergrund sei es das völlig falsche Signal, wenn der Handel den Eindruck vermittle, Fleisch und Wurst müssten wieder billiger werden.

 

Preiskampf passt nicht zu Tierwohlversprechen

Zudem widerspricht das Verramschen von Fleisch einer verantwortungsvollen Wertschätzung von Lebensmitteln ebenso wie den Nachhaltigkeits- und Tierwohlversprechen des Handels. Wer mit höheren Haltungsstufen, regionaler Erzeugung und mehr Tierwohl wirbt, muss diesen Anspruch auch in seiner Preisgestaltung widerspiegeln. Staack stellt klar: Wer sich zur deutschen Erzeugung und höheren Standards bekennt, kann nicht gleichzeitig den Ramschkönig geben. Das passt nicht zusammen.