EU-Handelsabkommen mit den Philippinen: Zollvorteile für EU-Schweinefleisch in Sicht
Ein Handelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen könnte den Zugang zu einem wichtigen Schweinefleischmarkt verbessern. Die Verhandlungen über die technischen Details sollen in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Für die EU zählen die Philippinen zu den bedeutendsten Drittlandsmärkten, während deutsche Exporte in die Philippinen nach der Wiederöffnung des Marktes seit Mai wieder anlaufen.
Wie AGRA Europe (AgE) berichtet, rückt ein Handelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen in greifbare Nähe. Nach Angaben von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič ist am Dienstag (22.9.) in Brüssel eine substanzielle Einigung
erzielt worden. Die technischen Details sollen in den kommenden Wochen verhandelt werden; Beobachter erwarten einen Abschluss im November. Anschließend müssen die Mitgliedstaaten im Rat sowie das Europäische Parlament über das Abkommen abstimmen, bevor es in Kraft treten kann. Die Ratifizierung dürfte ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Ein Kommissionssprecher stellte gegenüber AgE klar, dass das Abkommen unter anderem Zollpräferenzen für wichtige Agrar- und Lebensmittelexporte der EU vorsehen soll. Offizielle Details wurden zwar noch nicht genannt. Aus Kommissionskreisen verlautete jedoch auf Anfrage, dass auch Zollermäßigungen für den Schweinefleischsektor geplant seien.
Philippinen sind wichtiger Drittlandmarkt
Die Philippinen sind nach China, Mexiko und Japan der weltweit viertgrößte Importeur von Schweinefleisch. Von Januar bis Mai wurden dorthin fast 400.000 Tonnen importiert. Der Importbedarf ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, da sich die heimische Schweinefleischproduktion nur langsam von den Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erholt. Gleichzeitig wachsen die Bevölkerung und die Nachfrage.
Für die EU sind die Philippinen nach China, dem Vereinigten Königreich und Südkorea derzeit der viertwichtigste Abnehmer. Von Januar bis Mai 2026 wurden ca. 120.000 Tonnen Schweinefleisch aus der EU auf die Philippinen ausgeführt.
Deutsches Schweinefleisch seit Mai wieder zugelassen
Auch die Ausfuhren aus Deutschland laufen seit Mai 2026 wieder langsam an. Die Philippinen hatten 2019 infolge der Ausbreitung der ASP einen Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Vor der Sperre wurden jährlich bis zu 90.000 Tonnen auf die Philippinen geliefert. Nach fast sieben Jahren Pause ist der Markt seit Mai auf Grundlage eines Regionalisierungsabkommens wieder für deutsches Schweinefleisch geöffnet. Das geplante Handelsabkommen könnte den Marktzugang durch zusätzliche Zollvorteile weiter verbessern. Für die langfristige Perspektive ist das ein positives Signal für die deutsche Schweinehaltung. Sobald die Ratifizierung abgeschlossen ist und die Zollvorteile greifen, dürften die deutschen Schweinehalter entweder direkt von steigenden Exporten aus Deutschland auf die Philippinen profitieren – oder indirekt, wenn zusätzliche EU-Exporte den EU-Markt zumindest etwas entlasten
, ordnet ISN-Marktexperte Klaus Kessing das Handelsabkommen ein.
