ISN-Umfrage 2026: Anforderungen an die Schweinevermarktung verändern sich
Die ISN-Umfrage 2026 zeigt: Angesichts der desaströsen Marktlage und der angespannten Liquidität auf ihren Betrieben blicken die Schweinehalter pessimistisch auf die kommenden Monate und suchen bei der Vermarktung verstärkt nach Sicherheit. Viele sind offen für vertragliche Bindungen und neue Preismodelle, wenn diese Absatz, Liquidität und ein wirtschaftlich tragfähiges Preisniveau absichern. Gleichzeitig bleibt eine unabhängige wöchentliche Preisfindung für die Mehrheit unverzichtbar.
Schweinehalter erleben aktuell eine sehr schwierige Marktsituation auf einem sehr hohem Kostenniveau bei einem gleichzeitig viel zu geringem Erlöslevel für Ferkel und Mastschweine. Fehlende Liquidität und Rentabilität wird mit zunehmender Dauer der Krise am Schweinemarkt für immer mehr Betriebe zu einem Problem. Und das gilt sowohl in der Sauenhaltung als auch in der Schweinemast.
Der Schweinemarkt ist darüber hinaus im Umbruch. Die Strukturen in der Kette haben sich stark verändert. Die Märkte differenzieren sich immer stärker. Gehäuft auftretende europäische und globale Marktverwerfungen führen auch hierzulande zu desaströsen und kaum noch kalkulierbaren Marktsituationen – so wie es aktuell der Fall ist.
Folgerichtig ist hierzulande eine intensive Diskussion um ausreichende Margen, Preisbildung, Absicherung und Vertragsgestaltung in Gang gekommen. Die ISN hat Sauenhalter und Schweinemäster deshalb nicht nur zu den strukturellen Entwicklungen gefragt, sondern auch, wie sie auf den Schweinemarkt blicken und was für sie bei der Ferkel- und Mastschweinevermarktung besonders wichtig ist. Die Ergebnisse fließen direkt in die Gespräche um Preisbasis, Preismodelle und Lieferverträge ein.
Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze
- Die Marktaussichten bleiben angespannt: Fast die Hälfte der Befragten bewertet die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten als schlecht, weitere 12,9 % sogar als sehr schlecht.
- Die Liquidität wird zum immer größeren Problem: Liquiditätssicherung ist ein gewichtiges Argument bei der Schlachtschweinevermarktung geworden – Gleichzeitig ein Fingerzeig an die Politik, die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage endlich einzuführen.
- Sicherheit gewinnt gegenüber möglichen Spitzenpreisen an Bedeutung: Viele Schweinemäster setzen stärker auf Absatzsicherheit und eine Begrenzung des Preisrisikos als auf die Chancen der freien Vermarktung.
- Vertragliche Bindungen stoßen grundsätzlich auf Offenheit: 68 % der befragten Schweinemäster würden eine vertragliche Bindung eingehen, wenn diese Abnahmesicherheit und geeignete Preismodelle bietet.
- Die wöchentliche Preisfindung bleibt unverzichtbar: 58,5 % sprechen sich für eine unabhängige wöchentliche Basispreisfindung aus, die den Markt zeitnah abbildet.
- Neue Preismodelle stoßen auf Interesse: Mehr als die Hälfte hält betriebsindividuelle Kontrakte für sinnvoll. Ein Preiskorridor wird zwar zurückhaltender bewertet und stößt bei knapp 43 % auf Zustimmung.
Im Folgenden nun die ausführliche Darstellung der Ergebnisse:
Im September 2026 haben sich insgesamt 467 Ferkelerzeuger und Schweinemäster an der personalisierten ISN-Umfrage beteiligt. Die 414 teilnehmenden Mastbetriebe repräsentieren rund 985.000 Mastschweine beziehungsweise 7,2 % der deutschen Mastschweineplätze. In den 245 teilnehmenden Betrieben mit Sauenhaltung stehen insgesamt etwa 105.000 Sauen. Das entspricht 7,6 % des deutschen Sauenbestandes. Damit liefert die Umfrage ein aussagekräftiges Stimmungsbild aus der landwirtschaftlichen Praxis.
Schweinehalter blicken pessimistisch auf die kommenden Monate
Die Stimmung am Schweinemarkt ist angespannt. Fast die Hälfte der Befragten bewertet die Marktaussichten für die kommenden sechs Monate als schlecht, weitere 12,9 % sogar als sehr schlecht. Nur knapp 5 % erwarten eine gute Entwicklung. Auf einer Skala von minus zwei bis plus zwei ergibt sich daraus ein deutlich negativer Mittelwert von minus 0,68. Die Einschätzung steht unter dem Eindruck der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage. Hohe Kosten treffen auf ein zu niedriges Erlösniveau für Ferkel und Mastschweine. Mit zunehmender Dauer der Krise werden fehlende Rentabilität und Liquidität für immer mehr Betriebe zum Problem.
Damit wächst auch die Bedeutung einer Vermarktung, die nicht allein auf die höchstmöglichen Erlöse ausgerichtet ist. Absatzsicherheit, Risikobegrenzung und planbare Zahlungsströme rücken stärker in den Vordergrund.

Abbildung: So schätzen 369 Schweinemäster die Aussage zur vertraglichen Bindung ein ©ISN-Umfrage 2026
Absicherung wichtiger als die Chance auf Spitzenpreise
Die freie Vermarktung mit der Aussicht auf mögliche Spitzenpreise besitzt für viele Schweinemäster keine überragende Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt die Aussage ab, dass die freie Vermarktungsmöglichkeit entscheidend sei, um trotz eines höheren Preisrisikos Spitzenpreise zu erzielen. Lediglich 21 % stimmen dieser Einschätzung mindestens teilweise zu, ein Viertel ist unentschlossen.
Das Ergebnis zeigt: Viele Schweinehalter sind angesichts der starken Marktschwankungen nicht bereit, für mögliche Preisspitzen ein höheres Vermarktungsrisiko einzugehen. Die Sicherheit bei Absatz und Erlös gewinnt gegenüber der Chance auf kurzfristige Höchstpreise an Gewicht.
Offenheit für vertragliche Bindungen
Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei der Frage nach vertraglichen Vereinbarungen aus. 68 % der befragten Schweinemäster würden eine vertragliche Bindung eingehen, wenn diese Abnahmesicherheit und geeignete Preismodelle ermöglicht. Nur 13,6 % lehnen dies ab.
Die Zustimmung ist allerdings an klare Voraussetzungen geknüpft: Vertragsmodelle müssen den Betrieben einen tatsächlichen Mehrwert bieten. Dazu gehören verlässliche Abnahmebedingungen, eine wirksame Begrenzung des Preisrisikos und ein Preisniveau, das eine wirtschaftliche Schweinehaltung ermöglicht.
Bereits heute vermarkten 30,6 % der befragten Betriebe ihre gesamte Liefermenge auf Grundlage eines schriftlichen Vertrags. Weitere 10,6 % haben einen Vertrag über einen Teil ihrer Liefermenge abgeschlossen. Hinzu kommen 11,6 % der Betriebe mit einer mündlichen Liefervereinbarung. Knapp die Hälfte der Betriebe verfügt dagegen über keine vertragliche Vereinbarung.
Ferkelhandel weiterhin von mündlichen Absprachen geprägt
Anders stellt sich die Situation im Ferkelhandel dar. Abgesehen von Betrieben mit geschlossenem System erfolgt die Vermarktung dort weiterhin überwiegend auf Grundlage mündlicher Vereinbarungen. Rund 56 % der Befragten geben an, entsprechende Absprachen entweder zwischen Ferkelerzeugern und Schweinemästern oder zwischen Landwirten und Ferkelvermarktern zu nutzen.
Schriftliche Liefervereinbarungen spielen bislang nur eine geringe Rolle. Lediglich 3,9 % der Antworten beziehen sich auf schriftliche Vereinbarungen zwischen landwirtschaftlichen Betrieben. Weitere 5,6 % betreffen schriftliche Verträge zwischen Landwirten und Ferkelvermarktern. Rund 10 % der Befragten kaufen oder verkaufen Ferkel am freien Markt.

Abbildung: So schätzen 369 Schweinemäster die Aussage zur wöchentlichen Basispreisfindung ein ©ISN-Umfrage 2026
VEZG-Notierung bleibt zentrale Preisbasis
Bei der Vermarktung von Mastschweinen besitzt die VEZG-Notierung weiterhin eine herausragende Bedeutung. 95,5 % der Befragten rechnen ihre Schweine über ein Auszahlungsmodell mit Zu- und Abschlägen auf Basis der VEZG-Notierung ab.
Andere Modelle werden bislang nur vereinzelt genutzt. Vier Prozent der Betriebe haben zumindest für einen Teil ihrer Schweine einen Festpreis vereinbart. Modelle mit Preiskorridoren oder Kostenbezug kommen jeweils nur bei 1,5 bis 2 % der Betriebe zum Einsatz.
In der Ferkelvermarktung ist die Preisbasis stärker aufgeteilt. Fast 42 % der Nennungen entfallen auf den VEZG-Ferkelpreis, rund ein Drittel auf die Nordwest-Notierung. Der Ferkelpreis der Ringgemeinschaft Bayern wird von 8,1 % als Abrechnungsgrundlage genutzt.
Mehrheit hält an wöchentlicher Preisfindung fest
Trotz der Offenheit für alternative Preismodelle spricht sich eine deutliche Mehrheit für eine unabhängige wöchentliche Basispreisfindung aus. 58,5 % der befragten Schweinemäster halten eine solche zeitnahe Preisermittlung für wichtig. Lediglich 18,2 % stimmen dem nicht zu.
Die Ergebnisse zeigen damit, dass neue Modelle die wöchentliche Preisfindung aus Sicht vieler Schweinehalter nicht grundsätzlich ersetzen sollten. Vielmehr kann eine unabhängige Notierung weiterhin die Basis für unterschiedliche Abrechnungs- und Absicherungsmodelle bilden. Entscheidend ist, dass die aktuelle Marktsituation zeitnah und nachvollziehbar abgebildet wird.

Abbildung: So schätzen 366 Schweinemäster die Aussage zum Basispreis mit Korridor ein. ©ISN-Umfrage 2026
Preiskorridor stößt auf Interesse, aber auch auf Vorbehalte
Ein Preiskorridor, der extreme Ausschläge nach oben und unten begrenzen soll, wird von den Befragten zurückhaltend positiv bewertet. Knapp 43 % können sich ein solches Modell grundsätzlich vorstellen. Allerdings entfällt der größte Teil davon auf eine eher vorsichtige Zustimmung.
Gleichzeitig lehnen 28,4 % der Teilnehmer einen Preiskorridor ab. Ein ähnlich großer Anteil ist unentschlossen. Bevor ein solches Modell breitere Akzeptanz finden kann, müssten deshalb die konkrete Ausgestaltung und die Auswirkungen auf Betriebe und Markt klar beschrieben werden.
Insbesondere ist zu klären, wie die Grenzen des Korridors festgelegt werden, wer die mit dem Modell verbundenen Risiken trägt und wie sichergestellt wird, dass sich die Absicherung nicht einseitig zulasten der Schweinehalter auswirkt.

Abbildung: So schätzen 365 Schweinemäster die Aussage zur vertraglichen Bindung ein ©ISN-Umfrage 2026
Zustimmung zu betriebsindividuellen Kontrakten
Mehr Zustimmung erhalten betriebsindividuelle Kontrakte. Bei diesem Modell werden der Basispreis und die Abnahmebedingungen für einen bestimmten Zeitraum vereinbart. Mehr als die Hälfte der antwortenden Schweinemäster hält solche Vereinbarungen grundsätzlich für sinnvoll. 22,5 % lehnen sie ab, mehr als ein Viertel ist noch unentschlossen.
Ein Vorteil könnte darin liegen, dass die Verträge an die jeweilige betriebliche Situation, die Liefermengen und den gewünschten Absicherungszeitraum angepasst werden können. Vergleichbare Vertragsmodelle sind vielen Betrieben bereits aus anderen Bereichen, etwa beim Einkauf von Futtermitteln, bekannt.
Liquidität wird zum entscheidenden Vermarktungsfaktor
Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich, dass sich die Prioritäten bei der Schweinevermarktung verschieben. Neben einem ausreichenden Erlösniveau gewinnen Abnahmesicherheit, Risikobegrenzung und Liquidität erheblich an Bedeutung.
Die Schweinehalter zeigen sich offen für neue Vertrags- und Preismodelle. Diese Offenheit ist jedoch kein Freibrief für zusätzliche oder einseitige Bindungen. Neue Modelle müssen Risiken tatsächlich begrenzen, für die Betriebe transparent und nachvollziehbar sein und eine wirtschaftlich tragfähige Preisbasis bieten.
Die Ergebnisse sind zugleich ein deutlicher Hinweis an die Politik: Wenn fehlende Liquidität zu einem immer größeren Problem wird, muss die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage endlich zügig eingeführt werden. Sie könnte den Betrieben helfen, starke Marktschwankungen besser abzufedern und in schwierigen Phasen liquide zu bleiben.
Strukturwandel erhöht den Handlungsdruck
Die Vermarktungsfragen treffen auf eine Branche, deren Struktur sich weiter verändert. Von den befragten Sauenhaltern gehen nur 55 % davon aus, auch langfristig Sauen zu halten. Gut 22 % planen innerhalb der kommenden zehn Jahre den Ausstieg, bei weiteren knapp 23 % ist die Zukunft der Sauenhaltung ungeklärt.
In der Schweinemast rechnen 68 % der Betriebe damit, auch in zehn Jahren noch Mastschweine zu halten. Knapp 13 % planen den Ausstieg, rund ein Fünftel ist unentschlossen.
Zugleich setzt sich die Differenzierung der Märkte nach Haltungsformen fort. In der Schweinemast bleibt die Haltungsform 2 zwar weiterhin die wichtigste Stufe, sie verliert jedoch voraussichtlich leicht an Bedeutung. Insbesondere die Haltungsform 3 dürfte nach Einschätzung der teilnehmenden Betriebe zulegen.
Die Ergebnisse geben damit einen umfangreichen Einblick in die Einschätzungen der Schweinehalter. Im Mittelpunkt steht eine klare Botschaft: Die Betriebe brauchen eine Vermarktung, die ihnen nicht nur Absatz verschafft, sondern auch Marktrisiken begrenzt, Liquidität sichert und ein wirtschaftlich tragfähiges Erlösniveau ermöglicht. Gleichzeitig sind die Ergebnisse ein Fingerzeig in Richtung Politik, die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage nun endlich schnell einzuführen.

ISN Umfrageergebnisse 2026 Vermarktung Kurzfassung