Nachhaltiges Soja im Trog: DVT legt Zahlen zu Lieferketten vor

Nur rund 12 % des Rohproteins in der Tierernährung stammen aus Importen wie Soja - 88 % werden durch heimische Futtermittel gedeckt. © ISN
Die deutsche Futtermittelwirtschaft verzeichnet deutliche Fortschritte bei der nachhaltigen und rückverfolgbaren Beschaffung von Importsoja. Laut dem ersten Soja-Sachstandsbericht des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) stammen bereits rund 90 % des in Deutschland eingesetzten Sojaschrots aus entwaldungsfreien Gebieten gemäß den EUDR-Vorgaben. Für Schweinehalter bedeutet dies eine stabilere Absicherung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsnachweise.
Die deutsche Futtermittelwirtschaft hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der nachhaltigen Beschaffung des Rohstoffs Soja erzielt. Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) hat diese Entwicklung erstmals in seinem Soja-Sachstandsbericht zusammengefasst.
Transparenz durch QS SojaPlus deutlich gestiegen
In den vergangenen Jahren hat sich die Beschaffung von Soja für die heimische Mischfutterherstellung grundlegend verändert. Wegweisend war hierbei die Einführung des verpflichtenden Zusatzmoduls QS SojaPlus
. Dieses hat die Sensibilität und die konkrete Nachverfolgbarkeit entlang der Lieferketten massiv erhöht.
Während im Jahr 2023 – also vor der Einführung des Moduls – lediglich 35 % der DVT-Mitglieder genaue Angaben zu den genutzten Handelskettenmodellen machen konnten, lag dieser Wert in den Jahren 2024 und 2025 bereits bei 88 %. Die Branche bewegt sich damit weg von einer reinen Zertifikatslogik hin zu einer physischen Warenverfolgung.
Bereits 90 % des Sojaschrots EUDR-konform
Ein zentrales Ergebnis des Sachstandsberichts betrifft die Entwaldungsfreiheit. Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung des DVT, erläutert: Weitere Analysen in der Futtermittelindustrie ergaben, dass heute bereits rund 90 % des eingesetzten Sojaschrots in Deutschland – egal aus welcher Region der Welt es kommt – aus entwaldungsfreien Gebieten gemäß der in der EUDR-Verordnung festgelegten Frist stammt.
Baaken betont jedoch, dass eine einseitige Fokussierung auf nur ein einziges Lieferkettenmodell zu kurz greife. In der Praxis gelte es stets, die Zielkonflikte zwischen physischer Rückverfolgbarkeit, tatsächlicher ökologischer Wirkung vor Ort und den damit verbundenen Mehrkosten auszubalancieren. Der ökologische Fußabdruck hänge weitaus stärker von den konkreten Anbaubedingungen und der lokalen Landnutzungshistorie ab als vom reinen Herkunftsland.
Heimischer Eiweißanteil hoch – Importe sichern den Bedarf
Der Bericht liefert zudem wichtige statistische Hintergrunddaten zur Proteingesamtversorgung in der deutschen Nutztierfütterung. Nach aktuellen Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) decken heimische Futtermittel rund 88 % des Rohproteinbedarfs für die Tierernährung ab - die restlichen zwölf % stammen vor allem aus proteinreichen Rohstoffen wie Soja.
Die Sojabohne ist wegen ihres Ölgehaltes (rund 20 %) und hohen Proteingehaltes des Schrots für die Human- und Tierernährung gleichermaßen wertvoll. Das Sojaschrot hat je nach Herkunft einen Eiweißgehalt von 43 bis 49 %. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 stammten laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) beim Import nach Deutschland von den insgesamt 2,4 Mio. Tonnen Sojabohnen 1,7 Mio. Tonnen aus den USA und 0,2 Mio. Tonnen aus der Ukraine. Darüber hinaus wurden insgesamt 1,6 Mio. Tonnen Sojaschrot in Deutschland importiert, davon entfielen 1,2 Mio. Tonnen auf Südamerika und 0,3 Mio. Tonnen auf Indien.
Blick nach vorn: Anforderungen steigen weiter
Die Anforderungen an nachhaltige Futtermittel und transparente Lieferketten steigen in den kommenden Jahren weiter. Nationale und europäische Regelungen, steigende Erwartungen des Handels sowie ein wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein für Klima- und Ressourcenschutz treiben die Weiterentwicklung nachhaltiger Rohstoffstrategien voran. Laut DVT-Sprecher Dr. Hermann-Josef Baaken hat die Futtermittelbranche mit eigenen Leitlinien bereits das Fundament gelegt, um den Einsatz nachhaltiger Eiweißfuttermittel praktikabel auszubauen und die nötige Transparenz für die Tierhaltung zu sichern.