Eine Initiative der deutschen Schweinehalter
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06.07.2026rss_feed

Neue EU-Nutztierstrategie: Brüssel will Kastenstände abschaffen

Morgen soll die neue EU-Nutztierstrategie vorgestellt werden ©ISN/Jaworr, Canva

Morgen soll die neue EU-Nutztierstrategie vorgestellt werden ©ISN/Jaworr, Canva

Die EU-Kommission will morgen ihre neue EU-Nutztierstrategie vorstellen. Unter dem Druck der Bürgerinitiative End the Cage Age soll die Käfig- und Kastenstandhaltung europaweit schrittweise beendet werden.

ISN: Eine EU-Harmonisierung ist richtig. Denn für deutsche Sauenhalter sind die wesentlichen geplanten EU-Vorgaben schon heute national beschlossen. Sie sind bereits durch das Vorpreschen bei nationalen Regelungen über Jahre im Nachteil.

 

Die Europäische Kommission präsentiert morgen (7. Juli 2026) im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz ihre neue Nutztierstrategie der Öffentlichkeit. Bereits vorab ist ein geleakter Entwurf der Strategie an die Öffentlichkeit gelangt. Demnach soll bis 2040 die europäische Tierhaltung auf den Pfaden von Tierschutz, Biosicherheit, Kreislaufwirtschaft und reduzierten Emissionen grundlegend transformiert werden. Für die deutschen Schweinehalter besonders im Blick stehen die Vorgaben zur Haltung der Sauen.

 

Was soll für Schweinehalter konkret beschlossen werden?

Der Entwurf sieht im fachlichen Kern eine umfassende Modernisierung der Haltungsbedingungen, neue Investitionsmodelle und eine intensivere Tierseuchenprävention vor. Auch auf Absicherungsmechanismen und die Stärkung der Resilienz der Betriebe wird abgezielt. Besonders bedeutsam für die Schweinehaltung ist der verbindliche Ende der Kastenstandhaltung: Brüssel fordert den schrittweisen, vollständigen Verzicht auf die Haltung von Sauen in Kastenständen und Ferkelschutzkörben. Hierzu soll eine Richtlinienrevision vorgelegt werden, die den Übergang von Kastenständen zu Gruppenbuchtensystemen im Deckzentrum und freien Abferkelbereich (mit nur noch wenigen Tagen Fixierung) zwingend regelt.

 

Enorme Investitionskosten – kommen EU-Förderprogramme?

Dass die Transformation die Landwirte wirtschaftlich an den Rand der Belastungsgrenze treibt, geht aus den im Papier deutlich hervor. Für den Umbau zu tiergerechten Systemen entstehen den Betrieben enorme jährliche Zusatzkosten. Zur Deckung dieser Finanzierungslücke prüft Brüssel neben GAP-Mitteln und dem EU-Wettbewerbsfonds die Bereitstellung eines speziellen, staatlich gestützten Finanzierungstools, das zinsgünstige Darlehen und Risikoabsicherungen kombinieren soll. Ziel ist es, die Tierhaltung in Europa zu erhalten.

 

Die ISN meint:

Wir brauchen einheitliche EU-Vorgaben statt eines Flickenteppichs aus nationalen Sonderwegen. Für die deutsche Sauenhaltung ist allerdings der nationale Sonderweg mit den Neu-Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bereits gesetzlich festgeschrieben. Insofern gehen die angestrebten EU-Vorgaben zur Sauenhaltung zwar nicht über die Neuvorgaben hinaus, sie bringen aber auch keine Erleichterung und kommen zudem erst mit einem erheblichen zeitlichen Verzug. Deutsche Schweinehalter haben in der Zwischenzeit höhere Erzeugungskosten für Ferkel und Schweinefleisch und geraten in Europa wirtschaftlich weiter ins Hintertreffen. Denn mit der Vorstellung der Strategie sind neue EU-Vorgaben noch lange nicht beschlossen, geschweige in anderen EU-Staaten umgesetzt. Das wird noch Jahre dauern. Für die deutschen Schweinehalter liegt die Krux der Strategie im Detail – zum einen könnten die Details der Vorgaben doch noch Änderungen und somit Zusatzkosten für deutsche Schweinehalter bedeuten und zum anderen könnten sie auch noch doppelt ökonomisch bestraft werden. Nämlich dann, wenn in Aussicht gestellte EU-Fördermittel für deutsche Schweinehalter nicht mehr früh genug kommen, weil sie die Vorgaben vorher schon umgesetzt haben oder sie bereits ausgestiegen sind. Hier muss die Bundesregierung gegensteuern, indem sie bei der folgenden Festlegung der Vorgabendetails die Harmonisierung im Blick hat und indem sie den Nachteil des zeitlichen, nationalen Vorpreschens entweder durch ein Sonderprogramm für Sauenhalter oder durch eine Angleichung der Umsetzungsfristen verringert.