Preiskampf im LEH auf den Schultern der Schweineerzeuger?
Der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel verschärft sich deutlich – mit spürbaren Folgen für die Schweineerzeuger. Während Discounter Fleisch- und Wurstwaren immer weiter im Preis drücken, geraten die Erzeugerpreise aus dem Gleichgewicht. Besonders irritierend: Rindfleisch wird billiger angeboten, obwohl die Erzeugerpreise dort hoch bleiben.
ISN: Die Marktmechanismen werden verzerrt – wir fordern vom LEH ein Umdenken! Statt immer neuer Rabattaktionen und Anti-Fleisch-Kampagnen brauche es gezielte Impulse, um den Absatz von Schweinefleisch zu stärken.
Aktuell nimmt der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel gewaltig an Fahrt auf und der Wettbewerb um die Kunden steigert sich immer weiter. Insbesondere die Discounter Aldi, Lidl und Norma liefern sich aktuell einen immer heftigeren Preiskampf. Dabei besonders im Fokus: Wurstprodukte und Fleischwaren, wie beispielsweise Hackfleisch als ein sogenannter Eckartikel. Beispielsweise ist Lidl inzwischen schon in der vierten Preisrunde des Jahres angelangt und hat unter anderem für Fleisch und Wurst die Preise pro Artikel um bis zu 50 Cent abgesenkt. Auch Norma wirbt mit Preissenkungen für Wurstartikel, die dauerhaft günstiger angeboten werden.
Dauerhafte Rabatte schaden Schweinehaltern
Kurzfristige Preisaktionen zur Ankurbelung der Nachfrage bei einem Angebotsdruck haben durchaus ihre Berechtigung. Bei dauerhaften Preissenkungen auf einem ruinösen Niveau bleiben aber die hiesigen Schweineerzeuger, die aktuell deutlich unter der Rentabilitätsgrenze produzieren, auf der Strecke! Qualität aus Deutschland geht nämlich nicht zum dauerhaft niedrigsten Preis!
Quersubventionierung zulasten der Schweineerzeuger?
Und ein weiterer wichtiger Punkt fällt auf: Die Preissenkungen beziehen sich nicht nur auf Schweinefleischartikel, sondern auch verschiedene Rindfleischprodukte werden günstiger angeboten. Auffällig ist, dass die Erzeugerpreise für Rindfleisch auf einem außergewöhnlich hohen Niveau verharren bzw. sogar noch leicht steigen – und das bei relativ stabilen Rinderbeständen und deutlich gestiegenen Rindfleischimporten. Funktionieren hier die Marktmechanismen nicht mehr? Oder wird das Rindfleisch gar auf Kosten des Schweinefleisches quersubventioniert? So lag die Teuerungsrate für Rindfleisch in der Ladentheke von Ende 2025 zu Ende 2024 bei fast 25 % und bei Schweinefleisch lediglich bei 1,6 %. Dass dieses Auseinanderklaffen der Schere keine negativen Auswirkungen auf den Erzeugerpreis beim Rindfleisch und keinen positiven auf das Schweinefleisch hat, ist mit Marktmechanismen nicht zu erklären. Subventioniert man hier den Preiskampf beim Rindfleisch mit Marge, die man beim Schweinefleisch generiert?
ISN fordert Kurswechsel: Weniger Anti-Fleisch-Aktionen, mehr Absatzimpulse
Angesichts der schwierigen Marktphase am Schlachtschweinemarkt zu Jahresbeginn forderte die ISN den Lebensmitteleinzelhandel zur Anpassung seiner Strategie auf: Weniger Anti-Fleisch-Aktionswochen, dafür aber mehr Absatzimpulse für Schweinefleisch durch gezielte Werbeaktionen. Dauerhafte Preissenkungen ohne marktkonforme und differenzierte Berücksichtigung der Preisentwicklungen auf der Erzeugerebene dienen hingegen ausschließlich der Profilierung einzelner Unternehmen im Kampf um die Gunst der Verbraucher, deren Portemonnaies zu Jahresbeginn leer sind.
