Runder Tisch zur Schweinehaltung: Minister Rainer berät mit Branche über die prekäre Situation

Runder Tisch zur Schweinehaltung: Aus Sicht der ISN war es ein konstruktiver und zielgerichteter Austausch, in dem der Ernst der existenzbedrohenden Krise für die deutsche Schweinehaltung insgesamt verstanden wurde.
Kurzfristig hatte Bundesminister Rainer die Branche zum Austausch geladen. Nach dem heutigen Gespräch zur Lage in der Schweinehaltung steht fest: Alle Wirtschaftsbeteiligten in der gesamten Wertschöpfungskette Schwein schätzen die Situation gleichermaßen als extrem schwierig und existenzbedrohend ein. Auffällig war, dass - wie so oft - Vertreter des Außer-Haus-Verzehrs nicht dabei waren. Der Austausch war konstruktiv, mögliche Maßnahmen wurden erörtert. Die Branchenvertreter forderten unisono, dass den nun auf den Tisch liegenden Vorschlägen schnell konkrete Maßnahmen folgen müssen. Dazu gehören insbesondere die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage sowie die Fortführung der Exportoffensive und ein Gegensteuern bei zusätzlichen Auflagen.
Der heutige Runde Tisch zur heimischen Schweinehaltung
im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) brachte die Akteure der Branche und die Politik an einen Tisch. Aus Sicht der ISN war es ein konstruktiver und zielgerichteter Austausch, in dem der Ernst der existenzbedrohenden Krise für die deutsche Schweinehaltung insgesamt verstanden wurde. Es wurde sehr deutlich, dass die gesamte Wertschöpfungskette erheblich unter Druck steht und dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Gesamte Wertschöpfungskette fordert Maßnahmen
Besonders beeindruckend war, dass die gesamte Wertschöpfungskette unisono die gleichen Maßnahmen forderte, um diese existenzbedrohende Krise für die deutsche Schweinehaltung bewältigen zu können. Einzig die Vertreter des Außer-Haus-Verzehrs glänzten durch Abwesenheit. Dabei ist auch dieser Absatzkanal von besonders großer Bedeutung für die Krisenbewältigung
, stellt ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack heraus. Von Risikoausgleichsrücklage, über die Exportstrategie bis zum Stopp zusätzlicher Produktionsvorgaben kam alles auf den Tisch. Als ISN hatten wir diese Maßnahmen – wie andere Vertreter der Wertschöpfungskette auch, bereits im Vorfeld der heutigen Runde benannt und erläutert.
Schon heute Marktverwerfungen
Bereits in der Runde machte Staack deutlich, dass jetzt schon deutliche Marktverschiebungen stattgefunden haben. So ging die Zahl der jährlichen Schweineschlachtungen in Deutschland von 2015 bis 2025 um 14,4 Mio. (-24,3 %) zurück, während sie allein in Spanien im gleichen Zeitraum um 10,1 Mio. (+22 %) zugenommen haben. Während in Deutschland in dem Zeitraum die Erzeugung von Schweinefleisch um 1,23 Mio. t je Jahr abnahm, stieg sie parallel in Spanien sogar um 1,4 Mio. t. Hier zeigen sich
, so Staack, die Auswirkungen zusätzlicher nationaler Vorgaben, die in während der zurückliegenden Dekade bereits zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen für deutsche Schweinehalter und damit auch zur Verlagerung der Erzeugung in andere EU-Staaten geführt haben. Das hat Bundeslandwirtschaftsminister Rainer nicht zu verantworten, aber er sitzt jetzt am Hebel, um an geeigneter Stelle gegenzusteuern – beispielsweise beim Umbau des Abferkelstalls.
Staack kritisierte in diesem Zusammenhang auch noch einmal das Fehlen des Außer-Haus-Verzehrs, da gerade über diesen Absatzkanal die günstigere ausländische Ware ins Land drücke.
Trotz Preisanstieg: Betriebe schreiben tiefrote Zahlen
Fest steht: Auch wenn es am heutigen Mittwoch und in der vergangenen Woche eine leichte Entlastung durch den Anstieg der VEZG-Notierung erfolgt ist, reicht das aktuelle Preisniveau für die Schweinehalter lange nicht aus, um aus der Verlustzone zu kommen. Nach wie vor legen die Schweinehalter pro Schwein im Schnitt rund 40 Euro drauf.
Dabei tragen die deutschen Landwirte keinerlei Schuld an dieser desaströsen Marktsituation. Sie haben ihre Erzeugung bereits massiv zurückgefahren. Ursächlich für die aktuelle Krise ist ein massiv überversorgter europäischer Markt. Weil Spanien wichtige Drittlandexporte weggebrochen sind, flutet spanisches Schweinefleisch derzeit die EU-Märkte und drückt die Preise in der gesamten EU in den Keller. Angesichts der geopolitischen Lage und der Tierseuchendynamik ist zukünftig noch häufiger mit solch schwierigen Phasen zu rechnen. Auch deshalb ist der Austausch darüber, welche Maßnahmen dem unkalkulierbaren finanziellen Risiko entgegenwirken können, so wichtig.
Jetzt braucht es Umsetzung statt weiterer Analysen
Aus Sicht der Branche kommt es nun darauf an, dass dem Runden Tisch zeitnah konkrete Maßnahmen folgen. Diese sind benannt und müssen nun schnell zur Umsetzung kommen – für die jetzige, aber auch für zukünftige Krisen ist das Entscheidend für den Erhalt der hiesigen Schweinefleischerzeugung.
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