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29.10.2026rss_feed

Schweinepreis stürzt weiter ab – Preisdruck wird schamlos auf die Erzeugerstufe abgewälzt

Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine liegt mit derzeit 1,32 €/kg SG auf einem extrem niedrigem Niveau ©ISN

Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine liegt mit derzeit 1,32 €/kg SG auf einem extrem niedrigem Niveau ©ISN

Die VEZG-Notierung ist in dieser Woche vom ohnehin schon desaströsen Niveau um weitere 8 Cent auf nun 1,32 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht heruntergeprügelt worden. Während der EU-Markt unter Druck steht und die gesamte Kette angespannt reagiert, wird die schon seit Monaten existenzbedrohende Situation der Schweinehalter noch weiter verschärft. Schon bei den variablen Kosten fehlen rund 30 Euro je Tier, bei Vollkosten sind es etwa 70 Euro. Die aktuelle Krise macht zugleich deutlich, wie dringend verlässliche Lieferverträge, neue Preismodelle und politische Unterstützung gebraucht werden. Auch Großhandel und Gastronomie müssen endlich Farbe zu heimischer Erzeugung bekennen.

 

Der gesamte Schweinemarkt steht unter massivem Druck, die Lage entlang der Wertschöpfungskette ist höchst angespannt. Entsprechend sensibel reagieren die Marktteilnehmer – vielerorts scheint jeder vor allem darauf bedacht, nur die eigenen Interessen zu sichern. Doch auch in einer schwierigen Marktlage ist es ein Unding, den Preisdruck so schamlos bis auf die Erzeugerstufe weiterzugeben.

Die VEZG-Notierung ist am Mittwoch um weitere 8 Cent auf 1,32 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht gefallen. Ein umfangreiches Lebendangebot, eine verhaltene Nachfrage und schleppende Fleischgeschäfte, insbesondere im Export, prägen den Markt. Für Schweinehalter wird die Lage immer dramatischer: Schon bei den variablen Kosten entsteht ein Verlust von rund 30 Euro je Schwein. Bei einer Vollkostenbetrachtung beläuft sich das Minus auf etwa 70 Euro je Tier.

 

Anhaltender Preisdruck der roten Seite

Während mittelständische Schlachtunternehmen überwiegend für eine unveränderte Notierung plädierten, hielten die Marktführer unter Androhung von Mengenkürzungen an ihren Forderungen nach niedrigeren Preisen fest. Letztlich konnte die Notierung diesem Druck nicht standhalten.

Ob der Preisabschlag die Fleischgeschäfte tatsächlich beleben kann, wird von mittelständischen Schlachtunternehmen bezweifelt. Die Nachfrage fällt verhalten aus, der Fleischabsatz stockt. Zugleich bleibt der Markt umfangreich mit Schlachtschweinen versorgt. Eine niedrigere Notierung allein schafft keine zusätzlichen Absatzmöglichkeiten – sie verschärft vor allem die wirtschaftliche Not der Erzeuger.

 

Schon bei den variablen Kosten ein erhebliches Minus

Selbst wenn nur die variablen Kosten berücksichtigt werden, verlieren die schweinehaltenden Betriebe rund 30 Euro je Schwein. Anders gesagt: Selbst wenn Stall und Arbeit dem Landwirt umsonst zur Verfügung stünden – ein völlig unrealistisches Szenario –, bliebe pro Tier ein Verlust von etwa 30 Euro. Bei einer Vollkostenbetrachtung beläuft sich das Minus auf rund 70 Euro je Schwein. Viele Betriebe haben nach Monaten mit unzureichenden Erlösen kaum noch finanziellen Spielraum.

 

Verlässliche Regeln und neue Preismodelle nötig

Die aktuelle Situation zeigt auch, wie wichtig die Diskussion um die Mindeststandards in den Lieferverträgen ist. Wir brauchen klare und eindeutige Regelungen – beispielsweise hinsichtlich der Abnahme der Schweine – damit das schwächste Glied in der Kette, die Schweinehalter, in solchen Marktphasen nicht derart erpressbar sind und der Preis immer weiter runtergeprügelt wird. Derzeit reicht die bloße Androhung von Mengenkürzungen der Schlachter oft schon aus, um die Preise weiter unter Druck zu setzen, ärgert sich ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack Gleichzeitig brauchen wir auch neue Preismodelle, welche die Komplexität der verschiedenen Märkte besser abbilden und die unkalkulierbaren Risiken des Marktes besser ausgleichen – für alle Vertragsparteien!

 

Großhandel und Gastronomie müssen Farbe bekennen

Auch die Marktakteure aus dem Außer-Haus-Bereich und Großhandel müssen endlich Farbe zur heimischen Erzeugung bekennen! Hier scheinen im Gegensatz zum LEH die hohen heimischen Standards weiterhin nur eine untergeordnete Rolle zu spielen und der niedrige Preis allein ausschlaggebend zu sein. Nur wenn die Kluft der unterschiedlichen Standards zwischen den zentralen Absatzkanälen LEH und Außer-Haus-Verzehr geschlossen wird, lässt sich letztlich ein Zerreißen der Wertschöpfungskette Schwein verhindern.

 

Wo bleibt die Risikorücklage?

Die Politik muss sich fragen, wie viel Zeit sie sich noch lassen will, um den schweinehaltenden Betrieben in Deutschland endlich zu helfen. Warum ist die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage immer noch nicht auf dem Weg, um den Schweinehaltern zumindest bei der Liquiditätssicherung etwas Wirksames an die Hand zu geben? fragt der ISN-Geschäftsführer.

Wenn die hiesige Erzeugung weiter so unter Druck gerät wie jetzt, dann werden binnen kürzester Zeit die Strukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette wegbrechen. Jetzt muss es darum gehen, sie zu erhalten und den Betrieben eine Perspektive zu sichern. Ohne wirtschaftlich tragfähige Erzeugung fehlt die Grundlage für die heimische Schweinefleischerzeugung. Das ist genau das Gegenteil von der viel diskutierten Ernährungssicherung in Deutschland!