Viehzählungsergebnisse: Schweinebestand stabil – Betriebe brechen weg

Stabile Bestände, aber weniger Schweinehalter: Dieser Trend setzte sich auch in diesem Jahr weiter fort ©ISN nach Destatis
Während sich die Schweinebestände in Deutschland auf niedrigem Niveau leicht stabilisieren, geht die Zahl der Betriebe unaufhaltsam zurück. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Der Strukturwandel greift vor allem in der Ferkelerzeugung besonders stark.
ISN: Die derzeitige Stabilisierung der Schweinebestände darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage auf den Höfen tatsächlich ist. Wir befinden uns in einer existenziellen Preiskrise, in der die Betriebe in der Ferkelerzeugung und Schweinemast derzeit massive, tiefrote Verluste verzeichnen und aussteigen.
Die ersten Viehzählungsergebnisse aus den Bundesländern haben es angedeutet, heute bestätigen es die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Während der Schweinebestand insgesamt leicht zunimmt, geht die Zahl der Betriebe weiter zurück.
40 Prozent weniger Betriebe als vor 10 Jahren
Wie die heutige Destatis-Pressemitteilung zeigt, gab es zum 3. Mai 2026 in Deutschland noch 14.700 schweinehaltende Betriebe. Das sind 3,6 % bzw. 550 Betriebe weniger als im Vorjahr. Der Abwärtstrend setzt sich damit fort: Im Zehnjahresvergleich sank die Betriebszahl seit 2016 um 40,0 %. Insbesondere in der Ferkelerzeugung bleibt das Höfesterben hoch – hier hat fast die Hälfte der Sauenhalter die Stalltüren für immer geschlossen.

In der Sauenhaltung haben in den letzten 10 Jahre fast die Hälfte der Erzeuger aufgegeben ©ISN nach Destatis
Trend zu größeren Betrieben hält an
Der Schweinebestand lag am Stichtag bei rund 21,0 Mio. Tieren und nahm gegenüber dem Vorjahr (Mai 2025: 20,9 Mio.) leicht um 0,6 % bzw. 131.100 Tiere zu. Verglichen mit 2016 entspricht dies jedoch einem Rückgang um 22,5 %. Da die Zahl der Betriebe im selben Zeitraum deutlich schneller sank, hält die Entwicklung hin zu größeren Einheiten an: Hielt ein Betrieb 2016 im Schnitt rund 1.100 Schweine, waren es zehn Jahre später bereits rund 1.400 Tiere.
Zahl der Sauenhalter sinkt weiterhin spürbar
Bei den Zuchtsauen gab es im Mai ein leichtes Plus von 0,9 % zum Vorjahr, sodass sich der Bestand bei rund 1,4 Mio. Sauen stabilisierte. Demgegenüber steht jedoch ein anhaltender Strukturwandel: Die Zahl der sauenhaltenden Betriebe verringerte sich im Vorjahresvergleich erneut spürbar um 2,7 % auf nunmehr rund 4.760 aktive Betriebe.
Die ISN meint:
Die vorläufigen Ergebnisse der Mai-Viehzählung bestätigen, was sich in den ersten Ergebnissen aus den einzelnen Bundesländern bereits angedeutet hat: Die Zahl der Betriebe geht weiter zurück, während sich der Schweinebestand stabil entwickelt.
Doch die Stabilisierung der Tierzahlen darf nicht über die dramatische Realität auf den Höfen hinwegtäuschen. Wir befinden uns in einer existenziellen Preiskrise, in der die Betriebe in der Summe aus Ferkelerzeugung und Schweinemast derzeit massive tiefrote Verluste von rund 50 Euro pro Schwein verzeichnen. Vor diesem Hintergrund ist es völlig verständlich, dass die Kombination aus dieser angespannten wirtschaftlichen Situation und den immer höheren Anforderungen an die Schweinehaltung in Deutschland immer mehr Betriebsleiter dazu bewegt, ganz aus der Schweinehaltung auszusteigen.